Triathlon noch professioneller und intensiver
Wettkämpfe finden derzeit keine statt und doch hat sich gerade beim Triathlon-Nachwuchs viel getan. So wurde bei der Triathlon-Abteilung der SSF Bonn ein "Regionalstützpunkt Talentsichtung / Talentförderung" eingerichtet. Mehr dazu im Interview mit Jugendtrainer Christoph Großkopf.
Was heißt "Regionalstützpunkt Talentsichtung / Talentförderung" im Einzelnen?
Um diesen Titel haben wir uns im letzten Jahr beim Landesportbund beworben, da wir der Meinung waren, dass wir uns mit unserer Triathlon-Nachwuchsarbeit nicht verstecken müssen. Seit diesem Schuljahr nun können wir als Regionalstützpunkt Kooperationen mit Bonner Schulen eingehen, um mögliche Triathlon-Talente zu ermitteln und diese zu uns in den Verein zu holen. Wir bieten in vier verschiedenen Schulen Talentsichtungsgruppen an, die den Kindern die Sportart Triathlon näher bringen und uns die Möglichkeit geben, besondere Talente herauszufiltern.
Der Landessportbund unterstützt uns mit Geldern für die Trainer der Talentgruppen und Material, das wir für ein optimales Training nutzen können. Auch spezielle Trainingseinheiten (z.B. in Schul-Freistunden) für unsere Nachwuchs-Aushängeschilder können aus diesem Topf finanziert werden. So ist eine optimale Talentförderung gegeben.
[t]Sie haben ein „Jugend Pro-Team“ gegründet – welche Ziele stehen dahinter?[t]
Dieser Schritt ging von den Jugendlichen aus; sie sind an mich mit dem Wunsch herangetreten, noch intensiver und professioneller trainieren zu wollen.
Das freut mich als Trainer natürlich ungemein. Nun wurde ein Team für die Altersklassen Jugend-A und Junioren gegründet, das den Schritt zum (Hoch-)Leistungssport geht. Ein durchschnittlicher Trainingsaufwand von 16 bis 20 Stunden pro Woche, die Teilnahme an Kader-Sichtungen, internen Leistungsüberprüfungen und NRW-Nachwuchswettkämpfen gehören dazu. Ziel für diese Athleten muss die Nominierung zur Deutschen Meisterschaft sein.
Ist das eine geschlossene Veranstaltung oder kann jeder ins Team?
Momentan trainieren 11 Jugendliche in diesem Team – Katharina Malter, Amalia Sedlmeyer, Zita Groll, Luis Hesemann, Feli Minnemann, Leo Palm, Alex Schmitz, Johanna Schäfer, Robin van de Loo, Elli Hänsel und Tim Schmitz – grundsätzlich aber kann erst mal jeder dem Team beitreten, der hochmotiviert und trainingsfleißig ist. Zum März hin wird dann auch die Leistung zählen und in Leistungsüberprüfungen ermittelt, wer in der gesamten Saison im Pro-Team bleiben darf. Als Gegenleistung bekommen die Nachwuchs-Athleten einiges an Material, individuelle Trainingspläne, Wochenendlehrgänge und ständige Videoanalysen gestellt.
Bleibt da noch Raum für die Jugendlichen, die sich nicht für den Leistungssport entscheiden?
Auf alle Fälle, und das ist auch mit ein Grund, warum wir ein Pro-Team "ausgegliedert" haben. All diejenigen, die Triathlon nicht so intensiv betreiben wollen, können die allgemeinen Angebote des Jugend- und Juniorentrainings nutzen, müssen sich aber nicht unter Druck gesetzt fühlen, sondern trainieren so viel es ihre Zeit erlaubt und es ihnen Spaß macht. Anmerken möchte ich aber, dass auch diese Nachwuchs-Athleten noch ein großes Maß an Trainingsfleiß aufbringen und sich bei Wettkämpfen nicht verstecken müssen!
Die Trainingsmethoden werden scheinbar immer ausgefeilter. Dazu braucht man gutes Material. Wie sieht es hier aus?
Gerade in der allgemeinen Vorbereitung bin ich ein großer Freund von Alternativsportarten. Daher stehen im November und Dezember neben den üblichen Triathlon-Disziplinen auch Mountainbiken, Inlineskaten und Klettern auf dem Programm. Viel verspreche ich mir auch von den so genannten Skikes, mit denen man sehr gut die Skatebewegung des Ski-Langlaufs imitieren und somit gelenkschonend sowohl die Bein als auch die Armmuskulatur in optimaler Weise trainieren kann. Für das Schwimmtraining haben wir auch ein paar Dinge angeschafft, die uns hoffentlich einen Schritt weiterbringen!
Gerade im Jugendbereich ist Triathlon eine boomende Sportart, da ist das Thema Wasserzeiten ein Dauerbrenner. Was tut sich da im Verein?
Wir haben aktuell etwas über 400 Abteilungsmitglieder. Davon nimmt sicherlich ein Viertel ständig am Schwimmtraining teil. Für diese gewachsene Masse haben wir als „jüngere Abteilung“ wenig Wasserzeiten. Wir bemühen uns aber sehr, gerade für unseren Leistungssport weitere Wasserfläche zu bekommen, um den Anforderungen der Bundesliga und der nationalen Wettkämpfe auch in der Nachwuchsklasse gerecht zu werden. In diesem Zuge möchte ich mich auch bei den Trainern der Abteilung Moderner Fünfkampf (Tobias Piatek) und der VG1 (Thorsten Fischer) bedanken, die unsere aussichtsreichen Jungathleten ständig oder teilweise mittrainieren lassen.
Und wo sehen Sie die Triathlon-Jugend in 2010?
Mein Ziel ist es, fünf Athleten für die Deutschen Meisterschaften nominiert zu bekommen und unsere gewonnene Dominanz bei den NRW-Wettkämpfen auszubauen. Beide Vorgaben erscheinen mir realistisch. Was ich aber auch sehen möchte: dass alle weiterhin viel Spaß am Triathlon haben und wir gemeinsam als große Gruppe viele schöne Trainingseinheiten erleben dürfen.
Das Interview führte Jürgen Hesemann




