Inga Rogge und Susanne Beisenherz für die SSF Bonn am Start

Herausforderung am Bärenfelsen

Knapp 65 Kilometer mit 2.100 positiven Höhenmetern, eine wildromantische, urwüchsige Landschaft im Naturpark Saar-Hunsrück, Schotter, Sand, Waldboden, herrlicher Misch- und Tannenwald, Treppen, Stege, auf und über den Bärenfels, vorbei an der Bärenfelshöhle – über dieses herausfordernde Terrain gingen Susanne Beisenherz und Inga Rogge beim „Ultra-Trail-Bärenfelslauf“ für die SSF Bonn an den Start.

„Der Traillauf verläuft über sehr hügeliges Profil mit meist kurzen, aber harten An- und Abstiegen; zwei steile lange Anstiege treiben auch die routinierten Läufer an ihre Grenzen. Durch das ständige Auf und Ab wird das Herz-Kreislauf-System mächtig gefordert, auch die Pulswerte springen auf und ab. Zudem wechselt der Untergrund ständig: Erde, Sand, Matsch, Geröll, Grasflächen mit Löchern, Treppen, Stege, Bachüberquerung – ein echter Traillauf halt.

Der Bärenfelslauf dient für einige Teilnehmer als Qualifikationslauf für den Ultra-Trail-Mont Blanc (165 Kilometer, 9.800 Höhenmeter) in Frankreich, auch wurden auf der Bärenfelsstrecke schon Berglaufmeisterschaften ausgetragen. Außerdem wird er ebenso wie der Mont Blanc „semi-autonom“ gelaufen, das heißt jeder Starter muss für seine eigene Verpflegung sorgen und Trinkrucksack, Hüfttaschen oder Gürtel mit Lebensmitteln mit sich führen.

Zu Beginn des Laufs gab ich Inga noch Ratschläge hinsichtlich Lauftempo, Bekleidung, Verpflegung, dann ging es los.Bei 16 Grad Celsius erfolgte der Start mit 30minütiger Verspätung, auf den ersten 200 Metern knickten schon einige Läufer auf der Geröllstrecke um.Das lange Warten auf den Start hatte negative Folgen: Die Muskulatur kühlt aus, die Gelenke sind anfälliger für Verletzungen.Schnell stellte man fest, dass die Laufstrecke nicht nur sehr abwechslungsreich und wunderschön ist, sondern auch sehr anspruchsvoll.

Der Trail führt am legendären Bärenfels vorbei, und wer an dieser steilen Stelle noch einen Blick für die Umgebung hatte, der bemerkte, dass hinter einem kleinen Felsen ein ebenso kleiner Bär neugierig zu uns verschwitzten und abgekämpften Läufern schaute. Gut, dass der nur aus Stoff ist, sonst würden wir alle noch etwas schneller laufen, meinte Inga.

Inga hatte mich anfangs nur begleiten wollen, sich aber spontan entschlossen, eine Runde von 21 Kilometern laufend und wandernd zu bewältigen. Sie traf unterwegs einen Läufer, der sie motivierte weiterzulaufen und durchzuhalten, denn so hart hatte sie sich die Strecke nicht vorgestellt. Inga ist zwar sportlich, läuft jedoch nur ab und an eine kleine Runde.

Obwohl es auch für mich zunehmend anstrengender wurde, machte es mir Spaß, hoch und runter, hin und her zu laufen. Leider hatte der Veranstalter keinen einzigen Kilometer markiert, was die Orientierung erschwerte. Umso mehr, wenn man wie ich grundsätzlich ohne Uhr läuft. Aber dafür hatte ich meine innere Uhr, nach der ich seit zehn Jahren trainiere. Nach der ersten Runde lag ich als erfahrene Ultraspezialistin und Mehrfachtriathletin sogar auf Platz 2 bei den Frauen.

Kurz vor Ende der zweiten Runde ein tragischer Vorfall: Ein Läufer liegt am Wegesrand, wird bereits von Sanitätern beatmet. Zu dritt führt man Wiederbelebungsmaßnahmen durch, aber auch ein Notarzt kann nicht mehr helfen. Das Rennen wird nach diesem Unglück abgebrochen, Teilnehmer und Veranstalter sind gleichermaßen geschockt. Leider aber geschieht es immer häufiger, dass Läufer ihre Fähigkeiten über- beziehungsweise die Strecke unterschätzen. Ausreichende Vorbereitung auf einen solchen Wettkampf und eine realistische Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten aber sind grundlegende Voraussetzungen für eine Teilnahme. So macht es auch der Veranstalter des Ultra-Trail Mont Blanc – er verlangt mehrere Rennen dieser Art als Qualifikation.“


Susanne Beisenherz