Sportarten
Kyudo - Japanisches Bogenschießen
Das Wort „Kyudo“ (in wörtlicher Übersetzung „Weg des Bogens“) bezeichnet das japanische Bogenschießen. Kyudo wird mit einem etwa 2,27 Meter langen asymmetrischen Bogen ausgeübt. „Asymmetrisch“ bedeutet, dass sich das Griffstück im unteren Drittel des Bogens befindet. Es gibt keine Visiereinrichtung, Pfeilauflage oder stabilisierenden Gewichte, wie sie von Sportbögen bekannt sind.
Kyudo bei den SSF Bonn
Die Abteilung Kyudo bei den SSF wird von Sven Zimmermann (5. Dan Renshi) geleitet. Das Mato-Training für fortgeschrittene Schützen findet in der Untertribüne des Sportparks Nord statt.
- Training: Montag und Donnerstag von 20.00 bis 21.30 Uhr
- Abteilungsbeitrag (für Schützen, die an Prüfungen und Wettkämpfen teilnehmen wollen): 30 Euro jährlich.
Kyudo lernen, Kyudo üben
Kyudo ist für Frauen und Männer jeden Alters geeignet und es bedarf keiner Vorkenntnisse. Zu Beginn wird mit einer Gummizwille geübt, mit der sich die Bewegungsabfolge des Schusses gefahrlos simulieren lässt. Die Bewegungen vor, während und nach dem Schießen sind festgelegt und werden immer wieder geübt. Dies erfordert und schult Ausdauer, Disziplin und Aufmerksamkeit.
Nach einiger Zeit übt der Anfänger mit dem Bogen und schießt dann eine halbes bis ein Jahr aus zwei Metern Entfernung auf eine mit Stroh gefüllte Tonne. Nach dieser Übungsphase wird auf die Standarddistanz von 28 Metern geschossen. Die Zielscheibe („Mato“) hat einen Durchmesser von 36 Zentimetern. Der Schütze hält den Bogen mit der linken Hand und zieht mit der rechten Hand, an der er einen speziellen drei- oder vierfingrigen Schießhandschuh aus Leder trägt, die Sehne bis hinter das rechte Ohr. Der Vorgang des Schießens besteht aus acht aufeinander abgestimmten Bewegungsabläufen („hassetsu“). Auch für das Bewegen vor und nach dem Schuss gibt es eine festgelegte Form.
Ausrüstung
Die Ausrüstung besteht aus dem Bogen, einem Übungspfeil für das Schießen aus kurzer Distanz auf eine Strohtonne („Makiwara“) und vier Pfeilen für das Schießen auf die Zielscheibe („Mato“). Außerdem benötigt man einen speziellen Schießhandschuh. Die Übungskleidung besteht in der Regel aus einer halbärmligen knopflosen Jacke („Gi“) und einem knöchellangen Hosenrock („Hakama“). Die komplette Ausrüstung in einfacher Ausführung kostet derzeit etwa 1000 Euro.
Prüfung und Wettkampf
Es gibt im Kyudo wie auch in anderen japanischen Sportarten - Judo, Karate, Kendo und andere - Prüfungen. Durch Prüfungen werden bestimmte Graduierungen erworben, im Kyudo sind dies die Kyu-Grade für Anfänger und die auch aus anderen Budo-Sportarten bekannten Dan-Grade für fortgeschrittene Schützen. Verschiedenfarbige Gürtel werden nicht getragen. Auf Landes- und Bundesebene finden jährlich Wettkämpfe für Einzelteilnehmer und Mannschaften statt. In größeren Abständen besteht überdies die Möglichkeit, auf europäischer Ebene und in Japan an Wettkämpfen teilzunehmen. Voraussichtlich 2009 wird die erste Kyudo-Weltmeisterschaft stattfinden.
Organisation
Kyudo-Vereine gibt es in fast allen Bundesländern. Die Kyudo-Landesverbände oder Kyudo-Sektionen der Judo-Landesverbände sind als Mitglieder des Deutschen Kyudo Bundes e.V. (DKyuB) organisiert. Der DKyuB ist Mitglied im Deutschen Judo-Bund und über diesen im Deutschen Sportbund (DSB). Derzeit gibt es bundesweit etwa 1200 aktive Kyudoka, ein Drittel hiervon sind Frauen, in 44 Vereinen. Jeder Verein verfügt über DSB-lizenzierte Übungsleiter. Viele sind hochgraduierte Dan-Träger, sieben deutsche Übungsleiter tragen überdies den ersten Lehrertitel („Renshi“) der ANKF. Neben regelmäßigem Training und weiteren Aktivitäten werden auf Bundes- und Landesebene Lehrgänge mit Schwerpunktthemen angeboten. Japanische Kyudo-Lehrer kommen jährlich zum Unterrichten nach Deutschland.Im Mai 2006 wurde der Kyudo-Weltverband IKF gegründet, dem neben Japan 16 weitere Länder angehören.

