Sportarten
Geschichte des Kyudo (Japanisches Bogenschießen)
Der typische asymmetrische Bogen erscheint zum ersten Mal in einer Abbildung aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert und hat sich in seiner Form bis in unsere Zeit erhalten. Bis zur Einführung der Feuerwaffen wurde der Bogen in Japan für die Jagd, von den Samurai zur Kriegführung, aber auch - und dies bis in unsere Zeit - zu zeremoniellen und religiösen Zwecken benutzt. Um den Bogen handhaben zu können, bedarf es einer ganz besonderen Technik, die über die Jahrhunderte hinweg von verschiedenen Kyudo-Schulen entwickelt und perfektioniert wurde. Einige der traditionellen Schulen haben sich über Generationen bis in die heutige Zeit erhalten.
Das heute praktizierte Kyudo verbindet eine Jahrhunderte alte Tradition mit dem Bedürfnis des heutigen Menschen nach sportlicher Betätigung, Konzentration und Ausdauer. Im Ursprungsland Japan praktizieren heute etwa 500.000 Menschen Kyudo - Schüler und Studenten, Hausfrauen, Kaufleute, Angestellte, Rentner. Der Zen-Meister ist - und war stets - die Ausnahme.In Deutschland wird Kyudo seit 1969 ausgeübt. 1969 besuchten Professor Inagaki Genshiro und weitere Lehrer der Alljapanischen Kyudo-Föderation Hamburg und unterrichteten Interessierte im japanischen Bogenschießen. Aus dieser Urzelle entstanden die Kyudo-Vereine in der Bundesrepublik. Professor Inagaki, 9. Dan Hanshi, betreute bis zu seinem Tod 1995 die deutschen Schützen und unterrichtete sie in der Tradition der Mitte des 15. Jahrhunderts entstandenen Schule der Heki-ryu-Insai-ha, deren höchster Lehrer er war. Diese Lehrtradition wird von seinen Schülern in Japan weitergeführt, die alljährlich für Lehrgänge nach Deutschland reisen.Heute existieren in Japan noch einige wenige Schulen, die im Mittelalter entstanden sind und ihr Wissen und die für unterschiedliche Zwecke nötige Schießtechnik bis in die heutige Zeit überliefert haben. In Japan entstand überdies in den 20er-Jahren aus den verschiedenen Schulen eine Standard-Schießform, die heute von der Alljapanischen Kyudo-Föderation (ANKF) vertreten und von den meisten japanischen Schützen („Kyudoka“) ausgeübt wird. Auch ein Teil der deutschen Kyudoka übt nach dieser Standardmethode.

